Porträt: Meredith Michaels-Beerbaum
Fast scheint es, als müsste ihre anrührende Geschichte eines Tages verfilmt werden.
Die Tatsache, dass sie in der US-Filmmetropole Los Angeles aufgewachsen ist hat damit weniger zu tun, als die Geschichte ihrer einzigartigen Karriere.
Von Susi gibt es im Olympiablog von erdbeerlounge schon ein sehr schönes Kurzporträt.
Hier alles noch ein bisschen ausführlicher, sozusagen von einem Insider und Fan der ersten Stunde (was in meinem Fall 1994) heißt.
(LANG IST`S HER: MEREDITH UND MARKUS BEERBAUM 1996)
Meredith Michaels wurde am 26. Dezember 1969 als Tochter des Filmproduzenten und Regisseurs Richard Michaels und der Schauspielerin Kristina Heaman geboren. Zwei Jahre später ließen die Eltern sich scheiden, kurz darauf heiratete die Mutter erneut.
Im Alter von sieben Jahren wollte Meredith reiten lernen. Zusammen mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Gregory besuchte sie eine Reitschule in Westlake, Kalifornien.
Schon im Alter von acht Jahren konnte Meredith auf Ponys erste Erfolge in Stilspringen feiern, mit 13 Jahren bekam sie ihr erstes eigenes Pferd, Boston Banker, und wurde Mitglied der Junioren-Nationalmannschaft im Springreiten. Vier Mal hintereinander gewann das kalifornische Team die nationalen Meisterschaften der Junioren, was zuvor und danach keinem gelang.
Mit 18 Jahren begann Meredith ein Studium der Politikwissenschaften an der Universität von Princeton.
An der Ostküste kam sie auch unter die Fittiche des berühmten Trainers George Morris und gewann 1989 auf Quick Star, einem kleinen, nur 1,58 m messenden Selle Francais Hengst, der ihr vom vermögenden Unternehmer Isaac Arguetty zur Verfügung gestellt wurde, ihren ersten Großen Preis in Palm Beach.
Daraufhin bekam sie das Angebot für einen Sommer bei Paul Schockemöhle in Mühlen zu trainieren. Ihren ersten internationalen Turnierstart in Deutschland hatte sie bei der Pferd International in München 1991. Bei dieser Veranstaltung lernte sie auch Markus Beerbaum kennen.Wenig später funkte es zwischen den beiden.
Mit Quick Star feierte Meredith Michaels in den folgenden Jahren sicherlich die größten
Erfolge, wie den Doppelsieg 1993 in Grand Prix und UPS-Trophy beim Mannheimer Maimarkt Turnier, den Sieg im Grand Prix 1994 in München-Riem und im Pulsar-Preis beim CHIO in Aachen.
Aber auch der Vollblüter Home James und der Holsteiner Alvaretto brachten sie weiter nach oben. Mit Alvaretto strebte Meredith eine Olympia-Teilnahme in Atlanta an. Das Pferd wurde jedoch wie Quick Star und die Stute Cathleen praktisch über Nacht Ende 1995 vom Sponsor verkauft.
Meredith musste auf die Nachwuchspferde Stella und Just Do It setzen. Beide hatte sie selbst entdeckt und ausgebildet. Der holländische Hengst Just Do It verhalf ihr zum Sieg im Großen Preis von Wien 1996.
Ende 1997 kaufte Meredith zusammen mit ihrem Freund Markus Beerbaum, nach einigen Monaten bei Dirk Hafemeister und einem längeren Aufenthalt auf der Anlage von Dieter Graf Landsberg Velen in Balve, den Hof des verstorbenen Gerd Wiltfang.
Am 5. Juni 1998 heirateten die beiden und Meredith nahm kurz darauf die deutsche Staatsbürgerschaft an.
Nie würde sie als Frau in einer deutschen Championats-Mannschaft reiten, wurde ihr prophezeit. Doch im August 1999 war Meredith Michaels-Beerbaum die erste Frau, die jemals für Deutschland ritt. Ihre beiden Nullrunden auf der Stute Stella, einer Tochter von Quick Star, bei der Europameisterschaft in Hickstead trugen maßgeblich zum Mannschaftstitel bei.
Die folgenden Jahre waren von einem immerwährenden Auf und Ab bestimmt. Große Erfolge wechselten mit schweren Verletzungen. 2002 brach sie sich das Schlüsselbein, 2003 zog sie sich in Hamburg einen offenen Bruch des Schien- und Wadenbeins zu, ein Unfall, der auch das Aus ihrer Karriere hätte bedeuten können.
Umso schäbiger erscheint die Art und Weise, wie Meredith Michaels-Beerbaum 2004 um die sicher geglaubte Olympia-Teilnahme gebracht wurde. Mit ihrem neuen Top-Pferd, dem Hannoveraner-Wallach Shutterfly ritt sie von Erfolg zu Erfolg, der 2. Platz im Weltcup-Finale in Mailand war wohl der wichtigste davon.
Am Vorabend des Nominierungsschlusses für die Olympischen Spielen kam die Meldung über eine positive Dopingprobe auf. Wie diese so weite Kreise ziehen konnte, ist nicht bekannt. Fakt sind heute zahllose Fehler der FEI und die Tatsache, dass überhaupt kein Doping nachgewiesen werden konnte. Lediglich eine minimale Menge von Abbaustoffen einer Substanz war in der Dopingprobe vorhanden, welche auch von Düngemitteln oder ähnlichem stammen konnten.
Die folgende Zeit wurde für Meredith ein Triumphzug ohne Beispiel:
Im Dezember 2004 war sie die erste Frau, die jemals an der Spitze der Weltrangliste stand, kurz darauf gewann sie die Riders Tour und das Top Ten Finale in Genf. 2005 siegte sie im Weltcup-Finale in Las Vegas und im Großen Preis von Aachen. All diese Erfolge hat sie Shutterfly zu verdanken, der wahrlich mit Pferdegrößen wie Halla und Deister verglichen werden kann. Doch auch der etwas jüngere Hannoveraner Checkmate trug maßgeblich zum Erfolg der Reiterin bei. Er gehörte zur siegreichen deutschen Mannschaft bei der Europameisterschaft in San Patrignano und sicherte den erneuten Riders Tour Titel 2005.
2006 wurde sie mit ihm Fünfte des Weltcup Finales in Kuala Lumpur.
Der größte Triumph von Merediths bisheriger Karriere folgte jedoch im August 2006, als sie nicht nur maßgeblich zum knappen Gewinn der Bronzemedaille mit der Mannschaft bei den Weltreiterspielen in Aachen beitrug, sondern sich auch Bronze im Einzel holte. Der denkwürdige Pferde- und Sattelwechsel, bei dem drei Reiter mit sämtlichen Pferden ohne Fehler blieben und Shutterflys Nerven, wie deutlich zu sehen war, immer mehr strapaziert wurden, ging in die WM-Geschichte ein.
Das wohl schönste Jahr ihrer Karriere erlebte Meredith 2007, als sie mit Shutterfly den Europameistertitel im Einzel und Silber mit der Mannschaft holte. Darüber berichtet auch cubatom2 in seinem Blog.
Dazu kamen 2007 der dritte Riders Tour Triumph und die erste Titelverteidigung, die jemals im Großen Preis von Stuttgart gelungen war. Nicht nur ein Traum wurde damit wahr.
Im April 2008 gewann Meredith Michaels-Beerbaum mit Shutterfly zum zweiten Mal das Weltup-Finale der Springreiter. Es folgten Siege in Wiesbaden (mit Checkmate), Cannes (mit Shutterfly), Aachen (Nationenpreis Shutterfly, Zeitspringen Checkmate) und Estoril (Checkmate).
Außerdem durfte sich MMB 2008 erste Deutsche Meisterin der Männer nennen. Erstmals gelang es einer Frau den Titel in der Herrenkonkurrenz zu erringen.
Die Olympischen Spiele wurden für die deutsche Mannschaft bekanntlich zum Negativ-Erlebnis, jedoch sorgte die starke Leistung von Meredith Michaels-Beerbaum auf Platz4 im Einzel für einen sportlich versöhnlichen Abschuss. Infos und Geschichten zu Hongkong 2008 gibt es übrigens im Reiter Revue Blog.
Kurz darauf siegte Meredith Michaels-Beerbaum wieder bei der Global Champions Tour in Arezzo und bewies, dass Shutterfly nicht umsonst das beste Pferd der Welt genannt wird.
Sie möchte, dass die Menschen eines Tages sagen würden, sie sei ein guter Mensch gewesen, meinte Meredith Michaels-Beerbaum. Das würde bereits heute niemand mehr leugnen.



