MEREDITH UND SHUTTERFLY - DAS TRAUMPAAR
Ihre Leistung war sensationell. Die Geschichte ihrer letzten Wochen ist besonders bewegend.
Meredith Michaels-Beerbaum gewann Sonntagnachmittag um etwa 14.30 Uhr Ortszeit in Las Vegas erneut das Weltcup-Finale der Springreiter.
Auch in Deutschland harrten zahlreiche Menschen bis tief in die Nacht aus, um die Übertragung aus Las Vegas im Internet zu verfolgen. Von “unglaublich” bis “faszinierend” waren die Urteile über die “Champions Meredith und Shutterfly” in ihren Superlativen nicht mehr zu überbieten.
Das Erstaunliche dabei: Eigentlich weiß jeder, was Meredith Michaels-Beerbaum kann. Sie hat oft bewiesen, dass sie gegenwärtig die beste Reiterin. Da im Reitsport Frauen und Männer konkurrieren, ist sie auch der beste Reiter. Sie führt die Weltrangliste an und sie ist amtierende Europameisterin. Es gibt kaum ein Turnier, in dessen Siegerliste Meredith Michaels-Beerbaum nicht steht.
Dennoch war Las Vegas im Jahr 2009 etwas Besonderes - aus den unterschiedlichsten Gründen.
Rückblick: 2005 war Meredith Michaels-Beerbaum schon einmal die Heldin von Las Vegas. Damals ritt sie den 12-jährigen Shutterfly zum Sieg - und überraschte die Fachwelt durch ihre enorme Nervenstärke.
2007 war sie in Las Vegas klare Favoritin. Sie hatte sich nach der zweiten Wertungsprüfung an die Spitze gesetzt - nichts anderes als ein erneuter Sieg wurde erwartet.
Dann fiel Meredith Michaels-Beerbaum von ihrem Sieger Shutterfly. Eine kleine Meinungsverschiedenheit mit der Folge, dass “MMB” ohne jeden Springfehler einfach ausgeschieden war.
2008 machte sie ihren Fehler wieder gut - und “schenkte” Shutterfly den verdienten Weltcup-Final-Sieg in Göteborg.
Las Vegas ist für Meredith Michaels-Beerbaum auch ein spezieller Ort, weil er so nah an ihrer ehemaligen Heimat Los Angeles liegt. Seit 1991 lebt die Springreiterin zwar in Deutschland, aber die Verbindung zur alten Heimat ist natürlich immer noch da. In Las Vegas konnte ihr Bruder und weitere Verwandte vor Ort sein. Auch viele Freunde waren gekommen.
Und noch ein Mensch war für Meredith gegenwärtig. Es war ihr Vater Mike, der eigentlich ihr Stiefvater, aber für die Reiterin ihr “Dad” war, da sie mit seiner Gegenwart aufwuchs.
Jetzt war Michael Heaman im März 2009 gestorben. Meredith war in seinen letzten Wochen vor Ort in Florida gewesen, hatte auf viele lukrative Turniere verzichtet, um bei Stiefvater und Mutter zu bleiben.
Erst nach dem Weltcup-Finale bemerkten viele, wie nah sein Tod der Reiterin gegangen war. Nämlich in dem Moment, als Meredith sichtlich bewegt ihrem Vater diesen Sieg widmete. Als sie sagte, dass er “heute dabei war”.
Als besonders emotionaler Mensch hatte Meredith vorher nie gegolten, eher als nervenstark und - seltsamerweise - als “eiskalt”. Nach ihrem Sieg am Sonntag weinte sie hemmungslos und war nicht mehr der Profi vor den Kameras, der sie sonst immer war.
Doch im Parcours war sie diesmal besser als jemals zuvor. Mit Shutterfly - mittlerweile 16 Jahre alt - an ihrer Seite startete sie zu der Mission, nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Vater den Sieg zu schenken.
Gleich im Zeitspringen am ersten Tag war Meredith Michaels-Beerbaum einsame Spitze und gewann. Nun gilt dieses Springen zwar als Gradmesser, aber der Sieger des Weltcup-Finales kann letztendlich ein ganz anderer sein.
Doch spätestens am zweiten Turniertag zeigte Meredith Michaels-Beerbaum ihre enorme Stärke bei diesem Wettkampf - und das obwohl sie in diesem Jahr noch keine einzige Prüfung gewonnen hatte.
Der Amerikaner McLain Ward - ein Reiter, der beim Turnier in Aachen vor Jahren unangenehm aufgefallen war, da er unter den Gamaschen seines Pferdes Plastikchips angebracht hatte, um dem Tier Schmerzen zu bereiten und es so zu höheren Sprüngen zu animieren - hatte eine Zeit hingelegt, die von allen Experten als unschlagbar eingeschätzt wurde.
Am Ende wurden sie Lügen gestraft. Meredith Michaels-Beerbaum zeigte mit Shutterfly, wie das perfekte Stechen aussieht und siegte erneut - mit über einer Sekunde Vorsprung.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt war sie die Favoritin auf den Sieg in Las Vegas. Doch diese Vorschusslorbeeren bauten natürlich auch Druck auf. Es lagen schließlich noch zwei äußerst schwere Runden vor Meredith.
Im Jahr zuvor setzte sie sich erst im letzten Springen an die Spitze. Vielleicht ist es so einfacher, leichter von hinten das Feld aufzurollen.
Vor allem, da sich Meredith Michaels-Beerbaums direkte Verfolger keine Blöße gaben und in beiden Runden Null Fehler ritten.
Meredith war dies in der ersten Runde ebenfalls gelungen. Alles hielt den Atem an, als sie mit Shutterfly zu ihrem letzten Auftritt einritt.
Ein Fehler und sie wäre auf Platz Zwei zurückgefallen…
Doch sie steuerte ihren Wallach, der mit den Legenden unter den Pferden Halla und Milton in einem Atemzug genannt wird, so präzise durch den Parcours, dass niemand Zweifel daran hatte, dass sie sich den Sieg noch nehmen lassen würde. Doch diese Nervenstärke verdient höchste Anerkennung - auch wenn alles ganz einfach wirkte.
Meredith Michaels-Beerbaum ist Weltcup-Siegerin 2009. Sie hat für ihren Vater gewonnen, für ihren 16-jährigen Shutterfly, “der wie ein Neunjähriger springt” (O-Ton MMB), für ihr ganzes Team, ihren Ehemann Markus, der sie immer unterstützt, für Anu, Shutterflys Pflegerin seit 10 Jahren, seit das Pferd in den Stall Michaels-Beerbaum kam. Und ganz sicher nicht zuletzt hat Meredith sich selbst ihren nach eigener Einschätzung vielleicht wichtigsten Sieg beschert. Las Vegas zu zeigen wie gut sie ist, das war immer ihr Ziel seit diesem verhängnisvollen Abgang vor zwei Jahren gewesen.
Sie hat es geschafft, 270 000 Dollar kassiert, drei Rolex-Uhren gewonnen, ist aufgestiegen zu den großen Drei, die das Weltcup-Finale dreimal gewannen. Rodrigo Pessoa und John Whitaker waren dies - und nun Meredith bei ihrem “perfektesten Sieg”.
All dies mag ihr durch den Kopf gegangen sein, als sie mit Cowboy-Hut bei der Siegerehrung stand und die deutsche Nationalhymne hörte. Auf dem Rücken von Leconte, dem Pferd des deutschen Teilnehmers Marcus Ehning.
Champion Shutterfly stand zu diesem Zeitpunkt schon wieder im Stall und verzehrte sicherlich einige Leckerlies. Meredith Michaels-Beerbaum erspart ihrem schüchternen Sieger seit Jahren die Zeremonie der Siegerehrung.
Sie weiß genau, was der Wallach mag und was nicht. Schließlich sind die beiden “wie ein altes Ehepaar”. Und Siegerehrungen mag Shutterfly definitiv nicht. Doch seine Auftritte im Parcours genießt er ebenso wie seine Reiterin.
Dreifacher Weltcup-Sieger ist nun auch “Petey” (wie sein Spitzname lautet, dank seines früheren Namen “Struwwelpeter”) und das älteste Pferd, das je das Weltcup-Finale gewann.
Es war ein besonderer Sieg für Meredith Michaels-Beerbaum - aus vielen verschiedenen Gründen.
http://www.reitwelten.de/2009/04/21/weltcup-heldinnen-meredith-michaels-beerbaum-und-isabell-werth-bei-horses-dreams-mees-italy-in-hagen#more-11079
http://www.reitwelten.de/2009/04/20/las-vegas-usa-turnierergebnisse-weltcup-finale-springen-meredith-michaels-beerbaum-wiederholt-vorjahressieg
http://www.reitwelten.de/2009/04/17/turnierergebnisse-weltcup-finale-springen-las-vegas-usa-meredith-michaels-beerbaum-uebernimmt-fuehrung
http://www.reitwelten.de/2009/04/18/ergebnisse-plazierungen-reitsport-weltcup-finale-der-springreiter-2009-in-las-vegas-usa
http://www.reitwelten.de/2009/04/19/ergebnisuebersicht-reitturnier-las-vegas-usa-vom-15-bis-19-april-2009

SHUTTERFLY DAS BESTE PFERD DER WELT